Chronik

Die Geschichte der Heinrich-von-Kleist-Schule

Der schöne Altbau unserer Schule ist nun schon über 100 Jahre alt.
Die heutige Friedrich-von-Schiller-Schule im Nachbargebäude war damals die Mädchenschule. Heute ist sie die Grundschule. In unserem Gebäude befand sich seit Bestehen der Schule zunächst die Knabenschule.
Den Wiesbadenern haben die "Lorcher Schulen", wie sie die Schulen nach ihrem Straßennamen nannten, nicht besonders gut gefallen. Den lang gestreckten Gebäuden mit ihren Ziegeldächern konnten sie zu damaliger Zeit keine Bewunderung abgewinnen. Kennern aber gefielen die Architektur und die Inneneinrichtung. Ein bekannter Reiseführer bezeichnete die Gebäude sogar als "Triumph von Luft, Sonne und Raum".

Die Einweihung unserer Schule war 1913. Jedoch bereits ein Jahr später – nach Ausbruch des 1. Weltkrieges – wurde das Gebäude für auszubildende Truppen genutzt. Es wurde zunächst von französischen und dann von englischen Soldaten besetzt. Die Soldaten blieben fast zwanzig Jahre. Renovierung und Instandsetzung waren notwendig, um es 1931 wieder als Schule nutzen zu können. Allerdings, bei Wiederaufstellung der deutschen Wehrmacht, wurde die Schule Mitte der 1930er Jahre erneut für militärische Zwecke missbraucht.

Ende des 2. Weltkrieges wurde das Gebäude der Mädchenschule erheblich zerstört. Unsere Schule, die Knabenschule, diente ca. fünf Jahre lang der UNRA (Hilfsorganisation der Vereinten Nationen) als Flüchtlingslager. Insgesamt wurde die Schule über zwanzig Jahre überwiegend militärisch zweckentfremdet aufgrund der Lage am heutigen Europa-Viertel, das früher Kasernengelände war. In ganz Deutschland gibt es kein einziges Schulgebäude, das so oft und lange statt schulischen Zwecken dem Militär diente.

Zur Schule gehört heute auch ein Neubau, in dem sich Klassen-, Fachräume und die Räume der Schulsozialarbeit befinden.